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Theologie praktisch: Aktuelle Monatsbeiträge

Ab September 2020 finden Sie hier in monatlich neuen Beiträgen kritisch Nachgedachtes zu Kirche, Kultur und Gesellschaft.

Hinweis zum Copierrecht: Auch die auf dieser Website veröffentlichten Beiträge sind geistiges Eigentum der Autorin. Sie dürfen nur mit Quellenangabe in anderweitiger Veröffentlichung zitiert oder paraphrasiert werden.

 

Junithema

Leidenswege: visualisiert, performiert, erinnert

Künstlerische Trans­formationen biblischer Texte 1: Zeich­nungen zum Buch Hiob von Udo Rathke

Eine längere Fassung dieses Artikels erschien 2020 in: Thomas Klie und Jakob Kühn (Hg.): Das Jenseits der Darstellung, Postdramatische Performanzen in Kirche und Theater, Bielefeld, S. 85-105.

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Zu den großen anthro­polo­gischen Grund­themen wie der Suche nach Glück, Seligkeit, Liebe gehört der Blick auf die Schatten­seite mensch­licher Existenz, auf Leidens­erfahrungen und die Frage nach Wegen zur Über­windung von Leiden entschieden hinzu. Noch immer prägend dafür, wie das Phänomen Leid in christlicher Religions­kultur wahrge­nommen, gedeutet und wie damit konkret umge­gangen wird, sind die litera­rische Ver­dichtung des Motivs des leidenden Menschen im Buch Hiob und die Erzählungen der Passions­geschichte in den Evangelien.[1] Diese Schriften haben weit über den Kontext religiöser Frömmig­keits­praxis hinaus eine Wirkungs­geschichte entfaltet und ein bis heute in verschiedenen Sparten der Kunst wieder­kehrendes Sujet begründet.[2] So geben Präsentationen künstlerischer Umsetzungen biblischer Leidenstexte auch in der Gegenwart einem nicht allein religiösen Publikum Impulse zur Aus­einander­setzung. Ein Fall­beispiel im Monat Juni und ein weiters im Anschlusstext im Juli sollen das Material bereit­stellen, um zu zeigen wie dabei Reso­nanzen zwischen diver­genten Sicht­weisen und Ausdrucks­formen entstehen können.

Im Rahm dieser Beispiel­praktiken kommt es gewissermaßen zu einer Begegnung von „Kunst und Kirche“. Dass in einem solchen Setting leicht Erwartungs­gewohn­heiten gestört und ein anderes Sehen möglich werden kann, entspricht im kunst- bzw. kultur­wissen­schaftlich informierten theologischen Diskurs gegen­wärtig einem weit­gehenden Konsens.[3] Was in diesem Beitrag über eine Veran­schaulichung dieses Entdeckungs­potentials hinaus geboten wird, ist der analytische Blick auf das Wie dieses Geschehens, also auf den Weg, um das erhoffte Erfahrungs- und Erkenntnis­potential zu erfassen. Und es sollen bis zum zweiten Abschnitt dieser Untersuchungseinheit, die im Juli auf dieser Seite folgt, produktive Anschlüsse auch für religiöse Bildung und Seel­sorge erkenn­bar werden.[4]

Neben dem Plädoyer für kreativ er­weiterte Umgangs­weisen mit der Leidens­thematik in kulturell-kirchlicher Arbeit steht in diesem Aufsatz das Interesse, den Heraus­forderungen einer sich kulturell diversi­fizierenden Gesellschaft in Praktischer-Theologie durch Theorie­konzepte zu begegnen, welche die Wahr­nehmung von Kom­plexi­tät ebenso fördern wie sie zu einem operativen Umgang mit komplexen Geschehens­zusammen­hängen in einem hybriden Feld zwischen Kunst und Religion führen.[5] In diesem Beitrag wird mit einer raum­theoretisch begründeten sowie durch die Ein­bindung perfor­ma­tivitäts­theo­retischer und kunst­philo­sophischer Konzepte er­weiterten Unter­suchungs­perspektive gearbeitet.[6] Sie finden eine Skizze dieses Ansatzes in der Sparte Erinnerungs­kultur auf dieser Web­site und eine kurze Einführung ins hybride soziale Feld zwischen Kunst und Religion im folgenden Abschnitt.

 

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Letzte Themen der Vormonate

Hinweis: Fort­setzungs­reihe zum Themen­komplex Altern, Bestattung und Seel­sorge von Februar bis Mai 2021

Maithema: Zeichenspiele in der Seelsorge mit Älteren

Aprilthema: Gespräche über das eigene Grab

Märzthema: Letzte Zeichen. Kulturelle Bestattungs­formen typo­lo­gisiert und gedeutet

Februarthema: Altersbilder in Geschichte und Gegenwart

 

Januarthema: Weisen von Ansehen und Anschauung – oder: Was gilt’s, wer ich bin, wer du bist und was die anderen von uns halten?

Dezemberthema: Ein soziodramatisches Biliodrama

Novemberthema: Konstruktionen des Weiterlebens. Postmortalitätsvorstellungen in Verangangenheit und Gegenwart

Oktoberthema: Brot und Wein aus der Tüte (essayistische Rückbesinnung auf einen Gottesdienst am Erntedanksonntag)

Septemberthema: Generationenbeziehungen und ein Friedensprélude

Was ist Praktische Theologie?

"Erinnerungsfarben" sind Projekt einer Praktischen-Theologin. Womit sich Praktische Theologie konkret befasst und was dieses Fach als wissen­schaftliche Perspektive aus­zeichnet, wird hier anhand aktueller Beispiele ab September in monatlich neuen Beiträgen vorgestellt. Eine Kurz­beschreibung der "PT" führt außerdem in das Fach ein.

 

Fußnoten

[1] Vgl. bes. Witte, Markus: Hiobs viele Gesichter. Studien zur Komposition, Tradition und frühen Rezeption des Hiobbuches, Göttingen 2018, S. 65-80.

[2] Vgl. exemplarisch Edinger (1922), Edward F.: Encounter with the Self. A Jungian Commentary on William Blake’s Illustrations of the Book of Job, Toronto.

[3] Vgl. u.a. kunstundkirche.com; theomag.de/09/pg1.htm; kkd.nordkirche.de/stiftung-kunst-kirche/ueber-uns.html (alle letzter Zugriff 30.04.2019).

[4] Ein Überdenken des Verhältnisses von Kunst und Religion bietet insgesamt der Band Mickan, Antje/Klie, Thomas/Berger, Peter A. (Hg.): Räume zwischen Kunst und Religion. Sprechende Formen und religionshybride Praxis, Bielefeld 2019.

[5] Insbesondere die Aufnahme einer relationalen Raumperspektive ins theologische Denken bedeutet in dieser Hinsicht einen großen Fortschritt. Vgl. Wüthrich, Matthias, Raum Gottes. Ein systematisch-theologischer Versuch, Raum zu denken, Göttingen 2015. Zur in Praktischer Theologie zunehmend Beachtung findenden Dimension der Inszenierung bietet eine instruktive Zusammenfassung Roth, Ursula: „‚Inszenierung‘ und darüber hinaus. Ein Beitrag zur praktisch-theologischen Inventur“, in: Konrad Merzyn, Ricarda Schnelle, Christian Stäblein (Hg.): Reflektierte Kirche. Beiträge zur Kirchentheorie, Leipzig2018, S. 169-193.

[6] Zu den theoretischen Grundgedanken des Ansatzes vgl. Mickan, Antje: „Kunst-Religion. An den Grenzen des Unterscheidbaren“, in: Dies./Klie, Thomas/Berger, Peter A. (Hg.): Räume zwischen Kunst und Religion. Sprechende Formen und religionshybride Praxis, Bielefeld 2019, S. 207-231, hier S. 214-217.

Erinnerungsfarben steht für kompetente Supervision, kreatives Psychodrama und wissenschaftliches Arbeiten.

Auf Erinnerungsfarben finden Sie fortlaufend neue Beiträge zu Theologie, Psychodrama und Erinnerungskultur.

Beachten Sie die Monatsthemen unter "Theologie praktisch" und viertel­jährlich wechselnde Artikel über Exemplarisches aus dem Feld der Erinnerungs­kultur zwischen Kunst und Religion! Im April startet eine Dokumentation über die sozio­dramatische Arbeits­gruppe der DFP-Zukunfts­werkstatt.